Feed auf
Postings
Kommentare

Eine interessante Simson – Reportage läuft im MDR

artour | MDR FERNSEHEN | 04.04.2013 | 22:05 Uhr

 

Die Simsons – eine jüdische Familiengeschichte in Suhl

Motorknattern in der Sommersonne, Wind in den Haaren, romantische Ausflüge zu zweit, bei dem sie sich eng an ihn klammert – zur Jugend in der DDR gehörte für viele die geliebte „Simse“. Dass es keine Harley war, war fast egal. Heute – 20 Jahre nach dem Produktionsstopp – sind die ‚Schwalben‘, die damals eher ein Nischendasein führten, zu beliebten Retro-Mopeds avanciert. Doch die Mopeds sind nur ein kleiner Teil einer spannenden Unternehmensgeschichte: Das Suhler Familienunternehmen der Simsons begründete sich in seinen Anfängen eigentlich auf der Herstellung von Waffen. Und beinahe wäre es damit nach der Wende weitergegangen. Doch es sollte anders kommen. „artour“ über die wechselvolle „Simson“-Firmengeschichte, die in einem Buch erschienen ist.

Die Historikerin Ulrike Schulz hat die Geschichte der jüdischen Familie Simson aufgeschrieben. Der Beginn und rasante Aufstieg des Unternehmens zum größten Arbeitgeber in Suhl gleichen einem Märchen. Doch leider gibt es kein gutes Ende.

Waffenproduzent

Die wahre Geschichte des Unternehmens Simson, das fünf Systemwechsel erlebte, lässt sich so erzählen: 1911 residieren die Simsons in einer schicken Villa in Suhl. Sie ist heute eine Ruine, doch sie lässt den Glanz von einst erahnen. Von hier aus leiten sie das Geschäft erfolgreich bis nach Amerika – und das, obwohl sie selbst keine Ingenieure sind. Aus Amerika importieren sie Maschinen und Know-how. Ihr geschicktes Marketing verhilft ihnen zu einem traumhaften Erfolg. Da der Bedarf zu unsicher ist, bleibt es nicht bei der Waffenproduktion. So rollen die Fließbänder bald auch für Fahrräder und den Luxus-Rennwagen Simson-Supra. 3.000 Mitarbeiter zählt das Unternehmen in den goldenen 1920er-Jahren.

Kein Neuanfang

Doch mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten ist alles vorbei: Die Familie wird enteignet und das Werk zu einem Rüstungsunternehmen umgebaut. Die Simsons können noch rechtzeitig in die USA fliehen, doch dass nach dem Krieg Mopeds gebaut werden, haben sie nicht mehr in ihrer Hand. Was bis heute kaum jemand weiß: Die Simsons wollten nach der Wende wieder nach Suhl zurückkehren und eine neue Waffenfirma aufbauen. Dass dies die Treuhand durch überhöhte Forderungen verhinderte, war sicher nicht der größte Missgriff in der Geschichte des Abwicklungsunternehmens – für Suhl aber war es gravierend. Denn was brauchte die Region mehr als Investoren, zumal solche, die eng mit einer erfolgreichen Tradition verbunden sind?

Der Fall von „Simson“ ist ein spannendes Beispiel einer Unternehmensgeschichte in wechselnden politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Systemen. Die Historikerin Ulrike Schulz wurde dafür mit dem ‚Preis für Unternehmensgeschichte 2012‘ ausgezeichnet. „artour“ spricht mit ihr und begibt sich auf die Spuren der wahren Geschichte der Firma „Simson“.

Quelle: http://www.mdr.de/artour/simson120.html

Kommentar abgeben